1. Tag: Samstag, 29.07.2006 - Abfahrt, Fähre Schweden

Norwegen 2006 sollte uns eigentlich bis zu den Lofoten bringen. Aber Petra´s Niere hatte 2 Tage vor Reisebeginn andere Pläne, also werden wir - ähnlich wie im letzten Jahr - eine schöne Rundreise bis Mittelnorwegen machen, wo ärztliche Versorgung noch in Reichweite ist. Die Anreise erfolgt über Schweden, was wir gleich mit einem Besuch bei Tochter Kathy verbinden, die dort ein halbes Jahr arbeitet. Überpünklich rollen wir kurz vor 10.00 Uhr in Stahnsdorf vom Gelände und wir wähnen uns bis zum einchecken am Fährhafen in Rostock um 14.15 Uhr auf der gemütlichen Seite. Leider sorgen diverse Staus und eine lange Baustelle vor Rostock dafür, dass wir nach über 4 ½ Stunden Fahrzeit gerade noch auf die Fähre kommen. Als Kleinbus mit Anhänger werden wir standesgemäß zwischen die großen Brummies auf das LKW-Deck verfrachtet, welches aber nur spärlich gefüllt ist.





Ein letzter Blick auf den kleinen Hafen von Warnemünde, nun kann der Urlaub beginnen.

Auf unserer "Luxusfähre" SKANE ist für jeden Passagier offenbar ein halber Sitzplatz vorgesehen, das einzige Restaurant ist daher knackevoll.



Den auf der Speisekarte angebotenen "Hänschensalat" hätten wir gerne probiert, aber es gibt alternativ zu einigen traurig dreinblickenden Smörrebrod ein Buffet für schlappe 140 Schwedenkronen. In Sekundenschnelle bildet sich eine Schlange ähnlich wie bei der Fleischzuteilung in Friedrichshain anno 1988. Wir schleichen uns unberechtigterweise in die verwaiste „Trucker´s Lounge“ und warten dort bis der große Andrang vorbei ist an einem schönen Fensterplatz. Nach einer Stunde dringt leises Verdauen aus dem Nebenraum und wir wittern unsere Chance. Lachs und Salat ist mittlerweile aus, Reis auch, aber es gibt noch Fleisch satt, halbgares Gemüse und fettige Bratkartoffeln mit dunkelbrauner Tütensoße. Der Dame vor uns fällt erst an der Kasse ein, dass sie unbedingt noch ein Bier braucht ( wird sofort gezapft ) und Zigaretten ( no problem ) der Kassierer verschwindet minutenlang im angrenzenden „Hochsicherheitstrakt“. Nun, so verbrennt man sich am „leckeren“ Essen nicht den Mund.

Auf Deck ist die Schlacht um die Plastikstühle mittlerweile beendet, wer einen hat, hat´s gut. Der Rest hängt an der Reling oder auf dem Fußboden herum. Petra´s gequältes Lächeln zeigt jedoch Wirkung bei zwei Familienvätern, die ihren Frauen beherzt die Stühle unter den Beinen wegreißen. So wandern wir, unsere Stuhltrophäen fest im Griff, von Back- nach Steuerbord, zum Heck und zurück. Je nachdem wo der Wind uns gerade nicht die Haare vom Kopf oder die Wolle aus der Hand reißt.






Eine Waldorffamilie spielt in selbst gebatikten Hosen mit ihren Kindern Ringelreihen. Und während wir uns noch freuen, dass unsere Kids sich schon allein was vorsingen, klingelt das Telefon und Lukas eröffnet uns, dass er selbst sich vor und der Wohnungsschlüssel nebst Ersatzschlüssel hinter der nunmehr geschlossenen Wohnungseinganstür befindet, Auweia !

Die Rettung naht in Gestalt von Feuerwehrmann Georg von Gegenüber, der flugs mit der Flex das Schloss wegsägen und den Zylinder herausbrechen kann. Nun ist zwar ein Loch in der Tür, aber man hat mit Hilfe eines Bauschlüssels wieder Zutritt zur Wohnung. Ja, so große Kinder sind schon echt eine Erleichterung.

Die Fähre hat es nicht eilig, wir landen am Abend verspätet in Trelleborg und bekommen gerade noch den vorletzten Stellplatz auf dem Campingplatz nahe der Stadt. Direkt hinter uns erreicht die alkoholisierte Stimmung einiger Schweden multiple Höhepunkte, denen wir uns nur durch einen weiteren Platzwechsel auf den aller letzten freien Stellplatz in der letzten Ecke entziehen können. Müde von der Überdosis Seeluft gehen wir früh zu Bett.